[Retrospektive, blutig]

Regensburg, vor zwei Jahren. Kilometer 30 der Radstrecke. Unter Schock wische ich mir Dreck und Steinchen aus mehreren blutenden Wunden. Panische Gedankenkaskaden schießen durch meinen Kopf: Zeitverlust, Materialschaden, zurück auf die Strecke, Schmerzen unterdrücken. Soeben war ich bei meiner Ironman-Premiere gestürzt und hatte mir die Schulter gebrochen.

In Träumen kommt all das nun wieder. Zum zweiten Mal in Folge erscheint mir der Straßenrand, die mentale Strapaze der Langdistanz in der Nacht und raubt mir den Schlaf, lässt mich so orientierungslos zurück wie damals. Dass ich ein Intervalltraining im Wasser nach einer solchen Nacht belastender als erschöpfend empfinde, erklärt sich fast von selbst.

  • Swim: 2.7 km in 0:55 h
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[Blick nach Osten]

Es sollten sich deutlich mehr Menschen mit Ampelschaltungen beschäftigen. Acht aufeinanderfolgende Rotphasen auf der gähnend leeren Straße durch einen noch schläfrigen Sonntag Morgen wirken deutlich an ihrer vorfahrtgewährenden Aufgabe vorbei. Immerhin: nach Osten hin wird alles besser. Die Straßen schneller, der Asphalt gefegter, die Ampeln weniger vorlaut. Mehrere aufgeräumte Lokal-Metropolen entlang ergötze ich mich an leichten Kilometern und freundlichen Frühtorklern, die mir voller Überzeugung und alkoholisierter Inbrunst richtig geglaubte, falsche Wege weisen. Zur wahren Freude tragen aber erst die Laufräder bei, die nebst wunderbarem Klang auch wunderbare Werte (Ø 27.4 km/h | 134 | 77%) ermöglichen.

  • Bike: 100.0 km in 3:39 h
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[Kühlschrank des Versagens]

Wenn man nicht mit leerem Magen einkaufen gehen soll, weil man zu viel kauft, es stattdessen mit vollem Magen tut und ebenfalls versagt, wer kümmert sich dann künftig um die Vorräte in meinem Haushalt? So lang ich mich zurückerinnern kann, ist mein Kühlschrank niemals so voll gewesen wie heute – so viele Gerichte kann ich kaum zu- also weg-, um der Notwendigkeit Platz zu bereiten. Als äußerst hilfreich hat sich bei dieser Sisyphos-Aufgabe aber ein Rezept aus der Crossover-Küche des Nachbarblogs erwiesen. Das nämlich zeigt, dass man sehr wohl Gemüse und Obst gleichzeitig auf engen Raum komprimieren kann und dass dem etwas geschmacklich Anspruchsvolles, überraschend Schmackhaftes entspringt. Mit einem halben Liter an Spinat-Smoothies im Magen können die Beine nach der heutigen Tour für deren morgiges Pendant wieder mit voller Kraft in die Pedale langen.

  • Bike: 104.6 km in 4:04 h
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[Freitags-Füller # 17]

Enten sind komprimierte Gänse. – Reminder to self: hands off reBuy and RSV Dortmund – Viereinhalb Jahre nach der Bandauflösung wird es verdammt nochmal Zeit, dass jemand die grandiosen “junges glueck” covert. – Beim Duft von frisch gemähtem Rasen am Morgen kann für den Rest des Tages eigentlich nichts mehr schiefgehen. – Hat eigentlich jeder Schwimmer Dauerschnupfen? – Die Nachrichtenlage an einem Brückentag ist seeeeehr überschaubar.

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[Über Einfluss und Veränderung]

Ich habe heute zwei Stunden lang mit Genuss gefrühstückt.

Exkurs: “Das Wichtigste muss am Anfang stehen. Der [...] Leadsatz entscheidet über das ‘Schicksal’ einer Meldung.” (Sage&Schreibe Werkstatt, journalist 6/2001 S. 10)

Jahrelang hätte ich diesen Satz nicht schreiben können ohne zu lügen. Der Wunsch nach einer Schublade im Bauch, in der ich einen Teller mit Nährstoffen platzieren und diesen dann Augenblicke später leer herausholen konnte, war immens, die Vorstellung eines Verdauungs-Automatons geradezu plastisch und eines Asimov würdig. Auf den Verlust des Kindes folgte der Verlust der Lust, der Verlust der Kontrolle, der Verlust des Vertrauens und kamen das Verabscheuen alles Essbaren, aller Genuss-Esser, der innige Wunsch zur Peinigung und Reduktion des schuldbehafteten Selbst. Siebeck ist ein Alien, Bratenduft ein invasives Element, Pizzabringdienste die subversiven Antibürger meines Rechtsstaates. Hilfeversuche scheiterten, es kamen Rückzug und Abkapselung, darin das Aufstellen eines fragilen Systems, innerhalb dessen ich mir Funktionieren aufgetragen habe.

Als ich am Morgen dem ersten Training des Tages Tribut zollte und Marmelade mit Frischkäse und meinem Lächeln vereinte, begann ich den Yoda unter den Kalenderabschnitten zu erkennen – jenen Februartag vor zwei Jahren – und finde nun darin einen passenden Schlusssatz, der mehr Liebe nicht zeigen kann.

  • Swim: 4.3 km in 1:23 h 
  • Bike: 27.0 km in 1:03 h
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[Oben blind, unten schnell]

Ich bin mit Kopfschmerzen und Sehstörungen aufgewacht. Ein leichter Schleier auf dem linken Auge. Eigentlich hätte ich mir Sorgen machen müssen. Man nähert sich dem Alter, in dem partielle Blindheit zu Alltag und Gefahr wird. Tatsächlich aber war ich seelenruhig, denn ich wusste um die wahre Ursache der Fehlsichtigkeit. Ein Nerv drückt auf’s organon visus und ließ Luft flirren. Seit Monaten zerbreche ich mir den Kopf über eine teure Anschaffung, zerreibe mir Schläfen und Stirn. Als ich mich gestern durchringen konnte, schien der Nerv gerissen und verschloss mir die Augen vor meinem größten Einkauf der jüngeren Zeit. Um in Bildern zu sprechen: wäre ich der VfL Bochum, hätte ich Cristiano Ronaldo verpflichtet. Um aber erneut und in klareren, visuelleren Bildern zu sprechen, habe ich genau ein solches angefügt.

  • Run: 8.6 km in 0:42 h
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[Kissen statt Kraulen]

Wie absurd das klingt: der Jahreskalender torpediert meinen Trainingsplan mit Feiertagen. Wenn das einzige Argument des Weckers an einem Dienstag wie heute um 5 Uhr morgens besonders unsachlich wirkt, schleudere ich ihm den freien Donnerstag als gewichtige Gegenposition entgegen. Zurzeit bewirkt das einen Aufschub und erzeugt bei mir ein InnererSchweinhund-Gefühl par excellence. Ich weiß nicht, ob ich mich deshalb eher faul oder fett fühle. Ich sollte eine Runde darüber schlafen.

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[Stadt, Land, Sport]

So schön dieser Montag hier in Nordrhein-Westfalen. Ein Ende der redaktionsinternen Forschungsgruppe Wahlen, Farbenspiele haben sich zu einer klaren Aussage hinreissen lassen. Alle atmen auf. Sicherlich auch die CDU, denn ihr peinliches Anbiedern an den Menschen hat ein Ende. Seelen beginnen ihre Regeneration mit einer Rückkehr in gewohnte, ursprüngliche Pulsbereiche. Mitunter dauert Politik länger, aber irgendwann findet sie ihren Weg.

Auf Wegen, die die Politik durch den nordwestlichen Teil Hessens gebaut hat, habe ich gestern eine klare Aussage finden wollen und habe mich im Asphalt gewordenen Nicht-festlegen-Wollen von Parlamentariern verwirrt. Der Fahrradweg von hier nach dort führte so oft ins unbeschilderte Nichts, endete in Wäldern, Problemvierteln oder auf kopfsteingepflasterten Seitenstraßen, dass man ihn als Verteidigungsrede im Plenum missdeuten könnte. Undurchdachter wirkten bislang nur Norbert Röttgens Sparvorschläge und die Eckpunkte der Piraten zum Urheberrecht.

Also greift man zur Touristenkeule: bremsen, lächeln, tschuldigungwoistdenn. In Hessen wirkt Hochdeutsch überall wie “nicht von hier”. Der überpräsenten Ländlichkeit merkt man an, dass sie dem automobilen Lobbyisten treu ergeben ist: ein und dieselbe Abzweigung zu erfragen hätte mich bei drei Menschen in drei Himmelsrichtungen (!) geführt; die aufkommende Sonne aber beruhigte mein Gemüt und ließ mich schließlich auf Kosten eines weiteren Kilometers meinen eigenen Weg suchen. An dessen gestrigem Ende angekommen, notierte ich abschließend:

  • Bike: 100.0 km in 3:44 h
  • Run: 10.7 km in 0:52 h
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[Gesundbrunnen]

Ich leider unter Reise-Angst. Das bedeutet, ich kann nicht verreisen. Je näher ein Abfahrtstermin rückt, desto mehr brodelt es in mir. Meine Tage fallen der Unruhe zum Opfer, die Nächte sind zerteilt. Zumeist verzichte ich dann und lasse Fahrkarten, Arrangements verfallen. Es braucht viel Geduld und vor allem Übung, um einen Weg zu bewältigen. Auch wenn es seltsam klingen mag: den Weg zur Arbeit lege ich ohne Probleme zurück. Wettkämpfe, selbst in der Nähe, sind deutlich schwieriger, Urlaube gar unmöglich. Das Abhandensein bereitet mir dabei nicht so sehr Unbehagen wie das Zurücklegen des Weges. Dinge könnten dabei passieren, ich könte Wichtiges zurücklassen, bedeutsame Alltags-Automatismen getätigt habe, wo sie nicht hätten getan werden sollen. Offiziell bin ich jeweils Opfer einer Terminkonfrontation, einer Fraktur, einem Infekt oder eines politischen Konflikts. Ich habe aus solchen vorgeschobenen Gründen schon oft Reisen nicht getan: Zahlreiche Sport-Events, Kurzurlaube, Heimatbesuche. Eine aber klappt immer. Mit ihr assoziiere ich Glück, Ruhe, Liebe. Vielleicht wirkt deshalb ein 4:30er-Schnitt beim Laufen wie reinste Erholung.

  • Bike: 68.1 km in 2:19 h
  • Run: 7.7 km in 0:35 h
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